Nachhaltige Stadtentwicklung für die Hamburger Innenstadt – ein Megatrend für die Zukunft der City

Zum Nachschauen: https://www.youtube.com/watch?v=2jFLRGA598U&t=2591s Eingangsreferat zur Online-Veranstaltung des Arbeitskreises Stadtentwicklung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 am 02.02.2021 von Tu Phung Ngo

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Lieber Wilfried Meier, sehr geehrte Damen und Herren, herzlichen Dank, dass ich das Eingangsreferat aus Sicht des Arbeitskreises Stadtentwicklung der Patriotischen Gesellschaft zu diesem Thema halten darf. Das Wort „nachhaltig“ haben wir bewusst an den Anfang des Veranstaltungsnamen gestellt. „Nachhaltige Stadtentwicklung für die Hamburger Innenstadt“ Der Arbeitskreis hat diese Zuspitzung gewählt, damit wir einen neuen Blickwinkel finden, um die so dringenden Fragen der notwendigen Zukunftsentwicklung der Innenstadt zu formulieren .Und ich erlaube mir, diesen Titel in meiner Rede zu ergänzen „Nachhaltigkeit, ein Megatrend für die Zukunft der Innenstadt“ Wie steht es um die Innenstadtentwicklung? Meine Damen und Herren, wir wissen alle um die sehr ernste Situation, in der die Innenstadt sich befindet: wegen der Corona Pandemie und auch auf Grund von Strukturveränderungen sind viele Einkaufsstraßen leer: Einzelhandel und Gastronomie drohen Stillstand oder sogar Konkurs. Der Kampf der Innenstadtgeschäfte mit dem in der Corona Pandemie nochmals gestärkten Onlinehandel verschärft die negative Lage dramatisch. Nicht zuletzt stellt sich daher die Frage: Wie soll überhaupt die Innenstadt der Zukunft aussehen, wenn eigentlich alles gerade nur schlechter wird? Fast schon fühlen wir uns wie auf einem Luxuskreuzfahrtschiff, das unterzugehen droht und der Kapitän die rettende Parole ausgibt: wir haben doch Rettungsboote, für einige. Ist das wirklich eine Lösung für große Schiffe: „Rettungsboote und Rettungsinseln“? Oder braucht es nicht Alternativen im Schiffsbau, eine Vision für alle und einen richtigen Rettungskreuzer für die stürmische See, in der sich die Innenstadt befindet? Bietet Nachhaltigkeit eine Antwort? Ein Modewort, das fast schon beliebig wurde, darf und kann das überhaupt bei einem solch riesigen Problem eine Lösung bieten? Oder ist es nur ein Bambusfloß mit Ökogitarre für unsere Kreuzfahrtpassagiere? Birgt es nicht im Zweifel noch ein Problem für die Innenstadt? Das klingt schon fast nach einer Schnapsidee eines Arbeitskreises, der von Hamburg nach Hawaii singt.

Lassen sie mich einmal mit Ihnen an unser Tor zur Welt gehen und rausschauen, als Hafenstadt darf man das. Die Vereinten Nationen haben 2015 die SDGs (die Sustainable Development Goals) vereinbart, 17 Ziele, die auf eine nachhaltige Welt zusteuern, um unser Überleben auf dem Planeten zu sichern. Diese Ziele sind national in Deutschland und hier in Hamburg angekommen.

Die internationalen Kapitalmärkte rasen in atemberaubender Geschwindigkeit auf eine ESG-Steuerung zu, nach Kriterien von Environmental, Social und Governance, also Nachhaltigkeit. Viel ist gerade im Werden hin zu einer Nachhaltigen Finanz- und Realwirtschaft und der Zug rollt schnell. Eine Hafenstadt ist da geradezu prädestiniert, daran teilzunehmen. Dabei sollte Nachhaltigkeit nicht nur mit Umwelt- und Ressourcenschutz verstanden, sondern alle 17 UN-Ziele angemessen in den Fokus genommen werden. Dieser weltweit wirkende Megatrend verändert das Grundverständnis von Wirtschaften vom Zweck hin zum Sinn, dem Purpose, ohne zu vergessen, dass wir in einer Marktwirtschaft sind, halt mit Impact!

Und was hat dies mit unserer Innenstadt zu tun?

Vielleicht ist dies ein Stück weit Symbolik für unsere Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Es ruft sehr stark nach einem Abweichen von bekannten Pfaden und Sichtweisen. Unser Arbeitskreis möchte mit dem vorangestellten Wort „Nachhaltigkeit“ die Sicht aus einer negativ geprägten Rettungsperspektive zu einer, vielleicht sogar allzu sehr vernachlässigten, positiven Zukunftsperspektive wechseln. Nachhaltigkeit ist in Unternehmen, national und international Chefsache. In diesem Sinne wünschen wir auch, dass unsere Innenstadt zur Chefsache wird und Nachhaltigkeit ein gemeinsames Commitment aller Beteiligter wird, ein Ziel, das nicht von „oben“ oder aus der Not vorgegeben, sondern als gemeinsame Zukunft gesehen wird, vom „wir müssen dies oder jenes tun“ zu „wir wollen etwas tun“ wie so ähnlich der ehemalige Generalsekretär des Rates für nachhaltige Entwicklung, Günther Bachmann, formuliert hat; dem Beratungsgremium zur Nachhaltigkeit für die Bundesregierung. Was wünschen wir uns für heute Abend? Wir haben Referenten und eine Referentin aus verschiedenen Disziplinen zusammengebracht, die aus ihrer Erfahrung, ihrem Fachwissen und dem jeweiligen Blickwinkel zum Veranstaltungsthema Impulse geben. Wir wünschen uns, dass von Ihnen, sehr geehrte Frau Dr. Herfort und von Ihnen, sehr geehrte Herren, Anregungen für die Innenstadtentwicklung kommen, die für die weitere Diskussion unseres Arbeitskreises Stadtentwicklung und dem Publikum am Bildschirm dieser Online-Veranstaltung Denkanstöße geben. Zugleich wünschen wir uns, dass Sie das Thema Nachhaltigkeit in Ihrer Diskussion nach Ihren Vorträgen einbringen und wir heute und im Anschluss schauen, ob und wie hier eine Perspektive für eine Nachhaltige Stadtentwicklung der Hamburger Innenstadt entstehen kann.

Unser Arbeitskreis wird den heutigen Abend auswerten und die Ergebnisse zur weiteren Diskussion der Politik, den Verbänden und Fachleuten zur Verfügung stellen und gern für eine Fortführung des Dialogs bereitstehen.

In dem Sinne kann und sollte Nachhaltigkeit zum Megatrend der Hamburger Innenstadt werden, damit die Innenstadt neu belebt, über die Stadtgrenzen hinaus wieder ausstrahlt und zukunftssicher wird. Vielen Dank, dass Sie alle heute dabei sind. Ich freue mich auf das Weitere, was wir zusammen hören und erfahren werden.



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